So kontaktierst du Psychotherapeut·innen richtig

Kurz gesagt
Einen Therapieplatz zu finden, heißt oft: viele Praxen kontaktieren, viele Absagen einstecken, trotzdem weitermachen. Der Kontakt selbst ist dabei ein eigener Stolperstein – besonders, wenn dir Anrufe schwerfallen oder du nicht weißt, was du schreiben sollst.
Die gute Nachricht: Du musst nicht perfekt klingen. Therapeut·innen sind auf solche Anfragen eingestellt. Was zählt, ist kurz, klar und freundlich – und dass du von Anfang an mitdenkst: Warteliste anfragen, Antworten notieren, nachhaken. Dieser Artikel zeigt dir, wie das konkret aussieht.
Was du vorher wissen solltest
Bevor du loslegst, lohnt sich ein kurzer Realitätscheck – er spart dir Frust in den ersten Gesprächen.
Sprechstunde ist nicht dasselbe wie Therapieplatz
Viele Anfragen scheitern, weil unklar ist, was du eigentlich brauchst:
- Psychotherapeutische Sprechstunde (Erstgespräch) → du bekommst das PTV 11 und den Überweisungscode. Dafür reicht jede Kassenpraxis – auch wenn dort kein Therapieplatz frei ist.
- Therapieplatz → reguläre Behandlung, oft mit Wartezeit. Hier sind die meisten Praxen voll.
Wenn du noch kein Erstgespräch hattest, frag nach einer Sprechstunde. Wenn du das PTV 11 schon hast, sag das gleich am Anfang – das hilft der Praxis einzuordnen, was du suchst.
Erstgespräch erklärt – Was ist die psychotherapeutische Sprechstunde?Keine Überweisung vom Hausarzt nötig
Du kannst direkt eine Psychotherapeut·in kontaktieren – eine Überweisung vom Hausarzt brauchst du dafür nicht. Ein Konsiliarbericht (Muster 22) kann manchmal helfen, ist aber kein Muss.
Du darfst viele Praxen gleichzeitig fragen
Das ist nicht unhöflich – es ist normal und sinnvoll. Lass dich überall auf Wartelisten setzen, wo es angeboten wird. Wenn du später einen Platz hast, sag bei den anderen Bescheid. So funktioniert das System.
Was du bereithalten solltest
Bevor du anrufst oder schreibst, leg dir diese Infos zurecht – dann musst du im Moment nicht suchen:
- Name und Telefonnummer (für Rückfragen)
- Versicherungsart (gesetzlich, privat, Selbstzahler·in)
- PTV 11 und Überweisungscode – falls du die Sprechstunde schon hattest
- Wann du erreichbar bist (z. B. „nachmittags ab 14 Uhr")
- Kurzform deines Anliegens – ein Satz reicht (z. B. „seit Monaten belastende Ängste" oder „Anfrage nach Anschlussbehandlung")
Telefon oder E-Mail – was passt wann?
Beides ist legitim. Viele Praxen bevorzugen aus Datenschutzgründen den Telefonkontakt – manche nehmen nur telefonisch Termine an. Andere antworten zuverlässig per Mail. Am besten probierst du beides, wenn die Praxis beide Wege anbietet.
Telefon: Wann und wie
Kassenpraxen müssen gesetzlich mindestens 200 Minuten pro Woche telefonisch erreichbar sein (bei halbem Kassensitz mindestens 100 Minuten). Die genauen Telefonsprechzeiten stehen meist auf der Website oder im Bandansagetext.
So gehst du vor:
- Ruf während der Sprechzeiten an – nicht außerhalb, wenn du vermeiden kannst.
- Wenn niemand rangeht: Nachricht auf den Anrufbeantworter hinterlassen. Viele Praxen rufen zurück.
- Halte deine Infos bereit (siehe oben).
- Frag immer nach freiem Platz und nach Warteliste.
Was du am Telefon sagen kannst – als Orientierung:
„Guten Tag, mein Name ist [Name]. Ich bin gesetzlich versichert und suche einen Therapieplatz für Psychotherapie. Ich hatte bereits eine psychotherapeutische Sprechstunde und habe ein PTV 11. Haben Sie aktuell freie Kapazitäten – oder kann ich mich auf eine Warteliste setzen lassen?"
Noch kein Erstgespräch? Dann ersetze den PTV-11-Satz durch:
„Ich möchte gerne einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren."
Das reicht. Du musst nicht erklären, warum du Hilfe suchst – es sei denn, du willst die Dringlichkeit betonen (siehe unten).
E-Mail: Kurz, klar, kopierbar
E-Mails haben einen Vorteil: weniger Druck, und du hast die Anfrage schriftlich dokumentiert – wichtig, falls du später das Kostenerstattungsverfahren brauchst.
Gute E-Mails sind:
- Kurz – ein Absatz reicht oft
- Klar – was du suchst (Sprechstunde oder Therapieplatz)
- Vollständig – Name, Versicherung, Telefonnummer, Erreichbarkeit
- Freundlich – kein Roman, kein Lebenslauf
Beispiel für eine Therapieplatz-Anfrage:
Betreff: Anfrage Therapieplatz – gesetzlich versichert
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist [Vorname Nachname], ich bin [Alter] Jahre alt und gesetzlich versichert. Ich suche einen Therapieplatz für Psychotherapie. Eine psychotherapeutische Sprechstunde hatte ich bereits – das PTV 11 kann ich bei Bedarf vorlegen.
Hätten Sie aktuell freie Kapazitäten, oder könnten Sie mich auf eine Warteliste setzen? Sie erreichen mich unter [Telefonnummer], am besten [Erreichbarkeitszeiten].
Vielen Dank und freundliche Grüße
[Vorname Nachname]
Beispiel für eine Sprechstunden-Anfrage:
Betreff: Anfrage psychotherapeutische Sprechstunde
Sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist [Vorname Nachname], ich bin gesetzlich versichert und möchte einen Termin für eine psychotherapeutische Sprechstunde vereinbaren.
Haben Sie in den nächsten Wochen einen freien Termin? Sie erreichen mich unter [Telefonnummer].
Mit freundlichen Grüßen [Vorname Nachname]
Was du unbedingt fragen solltest
In der ersten Kontaktaufnahme – telefonisch oder schriftlich – lohnt sich, diese Punkte mitzunehmen:
- „Haben Sie einen freien Therapieplatz – oder eine Warteliste?"
- „Haben Sie eine Kassenzulassung?"
- „Bieten Sie Kostenerstattung nach § 13 Abs. 3 SGB V an?"
- „Welches Richtlinienverfahren bieten Sie an?" (z. B. Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundiert)
- „Wie sind Ihre telefonischen Erreichbarkeitszeiten?"
Wenn du nach einem schriftlichen Ablehnungsschreiben fragst, bekommst du manchmal eine dokumentierte Absage – hilfreich für spätere Anträge bei der Krankenkasse. Formulierung:
„Falls aktuell kein Platz frei ist, würde ich mich über eine kurze schriftliche Rückmeldung per E-Mail freuen."
Dringlichkeit ehrlich benennen
Manche Therapeut·innen priorisieren bei besonders dringenden Fällen. Das ist keine Garantie – aber es lohnt sich, ehrlich zu sagen, wenn es dir gerade sehr schlecht geht.
Am Telefon oder in der Mail reicht ein Satz wie:
„Meine Situation belastet mich im Alltag stark, und ich suche zeitnah einen Platz."
Therapeut·innen sind darauf eingestellt, Dringlichkeit einzuschätzen. Du musst nicht dramatisieren – aber auch nicht herunterspielen, wenn du wirklich kämpfst.
Typische Fehler – und wie du sie vermeidest
- Nur einmal anfragen und aufgeben → Viele Praxen parallel kontaktieren, Wartelisten nutzen
- Nur nach „freiem Platz" fragen → Immer auch nach Warteliste fragen
- Ausführliche Krankengeschichte in der ersten Mail → Kurz halten – Details kommen im Gespräch
- Außerhalb der Telefonsprechzeiten stundenlang anrufen → Sprechzeiten auf der Website prüfen, dann gezielt anrufen
- Antworten nicht notieren → Von Anfang an Kontaktprotokoll führen
- Sprechstunde und Therapieplatz verwechseln → Klar sagen, was du brauchst
Kontaktprotokoll führen – von der ersten Anfrage an
Die Suche wird schnell unübersichtlich. Notiere jede Kontaktaufnahme – auch wenn du hoffst, schnell einen Platz zu finden. Das hilft im Alltag und wird wichtig, falls du später das Kostenerstattungsverfahren brauchst.
Für jede Anfrage festhalten:
- Datum und Uhrzeit
- Name der Praxis / Therapeut·in
- Kontaktweg (Telefon, E-Mail, persönlich)
- Ergebnis (Absage, Warteliste mit voraussichtlicher Wartezeit, Terminangebot, keine Antwort)
Die Bundespsychotherapeutenkammer empfiehlt, drei bis fünf dokumentierte Anfragen bei Kassenpraxen für einen Kostenerstattungsantrag vorzulegen – manche Kassen verlangen mehr. Wenn du von Anfang an alles notierst, bist du für beide Szenarien gerüstet.
Kostenerstattungsverfahren für Psychotherapie einfach erklärtNachhaken und dranbleiben
Eine Absage ist kein Endpunkt – oft ist es der Normalfall. Dranbleiben gehört zur Suche:
- Wartelisten: Lass dich überall setzen, wo es geht. Kurzfristige Absagen kommen vor – wer auf der Liste steht, hat eine Chance.
- Nachfragen: Manche Praxen erlauben regelmäßiges Nachfragen. Frag nach, wie das bei ihnen gehandhabt wird.
- Keine Antwort auf E-Mail: Nach einer Woche freundlich nachhaken – oder telefonisch während der Sprechzeiten nachfragen.
Jede Anfrage zählt. Auch die zehnte Absage bringt dich nicht zurück – sie bringt dich der Lösung näher, weil du eine Möglichkeit ausgeschlossen und dokumentiert hast.
Hilfe beim Kontaktieren
Du musst das nicht komplett allein stemmen:
- Vertrauensperson – Partner·in, Freund·in, Familienmitglied – darf für dich anrufen oder Mails schreiben
- Terminservicestelle – unter 116 117 oder 116117.de vermittelt Termine, wenn du bereits ein PTV 11 hast
- Psychotherapie-Informations-Dienst (PID) – Beratung zu Therapieplatzsuche unter 030 209 166 330 oder pid@psychotherapiesuche.de
Wo du Praxen findest und wonach du filtern solltest, erklären wir separat:
Nach Therapiepraxen suchen: So findest du die richtigen AnlaufstellenMit Bruno viele Praxen auf einmal kontaktieren
Wenn dir das einzelne Schreiben und Notieren zu viel ist: Mit Bruno kannst du viele Therapeut·innen gleichzeitig kontaktieren – statt jede E-Mail einzeln zu verfassen. Alle Antworten laufen an einem Ort zusammen, und dein Kontaktprotokoll wird automatisch geführt.
Das ersetzt nicht jeden Anruf – manche Praxen bevorzugen das Telefon. Aber es spart Energie, die du für die Suche selbst brauchst.
Was kommt danach?
Der Kontakt ist nur ein Schritt auf dem Weg. Den gesamten Ablauf – von Erstgespräch über Wartelisten bis Kostenerstattung – findest du in unserem Leitfaden:
Therapieplatz finden: Der komplette Schritt-für-Schritt-LeitfadenDu musst nicht perfekt klingen. Du musst nur anfangen – und weitermachen. Das reicht.